publiziert: 21.06.2012 15:48 Uhr
aktualisiert: 23.06.2012 12:04 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text SCHWEBHEIM
Viel Gemecker ums Meckern

Geschenkte Edelziege Kiki erhitzt die Gemüter – Tierschützer, Gemeinde und Veterinäramt auf den Plan gerufen
  • Viel Gemecker: Langsam sind Ärger und Kosten vergessen, die die Zirkusziege Kiki den Schwebheimern Doris und Werner Langer bereitet hat.
    Foto: Ursula Lux
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Seit Wochen meckert eine deutsche weiße Edelziege auf dem Grundstück der Familie Langer. Dass diese Ziege aber so viel Gemecker auslöst, damit hatten die Langers nicht im Traum gerechnet.

Vor sechs Wochen sprach der kleine Wanderzirkus Othello beim Ehepaar Langer vor und fragte, ob man nicht das Zirkuszelt auf der Wiese hinter den Einkaufsmärkten aufbauen dürfe. Werner Langer war wenig begeistert und schickte Zirkusdirektor Sascha Brumbach erst einmal fort.

Da der Zirkus aber keine andere Möglichkeit fand, sagten die Langers schließlich doch Ja – unter der Auflage, dass die Zirkusleute die Wiese mähten. „Das lief auch alles gut“, erinnert sich Langer und lobt, wie sauber der Zirkus den Platz wieder verlassen habe.

Zum Abschied bekamen die Langers auch noch ein besonderes Geschenk: Die Zirkusfamilie überließ ihnen ihr Haustier, die Ziege Kiki.

Nun, der Maschendrahtzaun um das Wiesengrundstück war ohnehin schon bestellt. Und die Langers planten auch, sich zwei Schafe anzuschaffen. Also warum nicht auch die Ziege nehmen? „Ich werde sie hüten wie meinen Augapfel“, versprach Werner Langer dem Zirkusdirektor und führte das neue Familienmitglied erst einmal in den Stall des ehemals landwirtschaftlichen Anwesens.

Als der Zaun noch einige Tage auf sich warten ließ, banden die Langers die Ziege tagsüber mit einem 20 Meter langen Seil auf der Wiese an einen Pflock. Und damit begann der Terror, berichtet Werner Langer. „Ich hätte nicht geglaubt, dass es in Schwebheim und Umgebung solche Menschen gibt“, sagt der Mann kopfschüttelnd. Tierquälerei habe man ihnen vorgeworfen. Und einige unterstellten sogar, der Zirkus habe die Ziege einfach ausgesetzt.

Die Mitarbeiter vom Tierheim kamen, hatten aber nichts an der Haltung auszusetzen. Die Gemeinde wurde angerufen, fand aber auch nichts zu beanstanden. Am Ende wurde sogar das Veterinäramt tätig. „Dann bin ich grantig geworden“, erinnert sich Langer.

„Diese vermeintlichen Tierschützer sind nichts anderes als Querulanten“, schimpft der Schwebheimer und wundert sich, dass „so jemand“ von den Ämtern nicht zurechtgewiesen werde. Aber dort sei man der Meinung, dass aufmerksame Mitmenschen lieber einmal zu viel als zu wenig anrufen sollten.

Richtig ärgerlich wird Langer, wenn er an den bürokratischen Aufwand denkt, den er sich mit der Ziege eingehandelt hat. Nach der Viehverkehrsverordnung brauchte er eine Betriebsregistrierung, und die Ziege musste zwei Ohrmarken bekommen. Sein Nachbar, ein Biobauer, hat ihm geholfen, die Ohrmarken anzubringen. Langer erzählt, wie jämmerlich die Ziege geschrien habe, und ärgert sich über die „Heuchelei“ vom Veterinäramt: „Wenn's legal ist, darf man so einem Tier Schmerzen zufügen.“

Inzwischen ist der Ärger ein wenig verraucht, und die Langers haben viel Freude mit ihrer Ziege. Sie lassen sich den Spaß auch einiges kosten: Ohne den Maschendrahtzaun, der ohnehin geplant war, habe man schon rund 1000 Euro in das Tier investiert. Unter anderem für das Material für den Unterstand, der im Augenblick gebaut wird, damit die Ziege nicht jeden Abend in den alten Stall geführt werden muss.

Je nachdem, wie gut das Tier gelaunt ist, dauert es schon bis zu einer halben Stunde, bis die 150 Meter bis zum Stall überwunden sind, erzählt Doris Langer. Im Verhalten gleicht ihre Ziege eher einem Esel, meint sie und lacht: Wenn sie nicht will, will sie nicht und muss mit allerlei Leckereien wie Mohrrüben oder Mais zum Laufen motiviert werden. Jetzt fehlen nur noch die beiden Schafe, die, so hofft das Paar, nicht wieder so viel Unruhe auslösen.

„Es gehen vielleicht 500 Leute täglich an diesem Grundstück vorbei“, erklärt Werner Langer, „wenn da zwei Stinkstiefel dabei sind, langt das ja schon.“ Das Ärgerlichste für ihn ist, dass diese anonymen Gegner „kein Gesicht, aber eine laute Stimme haben.“

Von unserer Mitarbeiterin Ursula Lux
    
    

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Die neuesten Kommentare

Buerger1 (92 Kommentare) am 21.06.2012 23:20

jeder darf sich einen Hund zulegen

Das Veterinäramt sollte da mal stärker auftreten, was da abgeht. Wie mancher einen Hund hält ein Witz...und was da mancher Nachbar ertragen muß. Da sollte man mal was tun.
(3)
luckymoon (115 Kommentare) am 22.06.2012 12:22

Oh ja, da geb ich Ihnen Recht!

Im Moment hat ja fast Hinz und Kunz einen Hund. Ein Hund in der Familie scheint ja gerade Modern zu sein?!
Ich möchte fast behaupten, dass nicht mal die Hälfte der heutigen Hundehalter wissen wie man einen Hund erzieht und was es heißt einen Hund artgerecht zu halten! Das können tickende Zeitbomben werden....
(1)
luckymoon (115 Kommentare) am 21.06.2012 13:17

Herrschafts Zeiten nochmal!

WARUM kann man andere nicht mal in Ruhe ihr Leben leben lassen? Ich begreife nicht dass sich Hinz und Kunz wegen einer ZIEGE aufregen!!! Man lebt doch auf dem Land und da sollte sich niemand aufregen wenn da eine Ziege auf der Weide steht! Angepflockt oder nicht - das war früher Gang und Gäbe und selbst heute gibt es hier und da sogar noch einige Bauern die ihre Ponys (!!!) an Pflöcke binden damit sie Grasen können weil sie keine Koppel genehmigt bekommen. Es wird immer doller!

Das Vet.Amt sollte sich mal um die Fälle kümmern wo ihre Anwesenheit drigend nötig wäre! DA passiert nämlich auch nix!

Leute, haltet Eure Ziege weiterhin, vielleicht kommt noch eine dazu oder wirklich noch ein Schaf. Macht Euch nicht verrückt und für die Meckerer: Pfui Deibel - Geht Euch schämen! Wer wegen einer Ziege in so einer tollen Obhut so ein Fass aufmacht hat entweder keinen Plan von Tierhaltung oder aber keine Hobbys oder Freunde... Einfach nur traurig!
(2)
dobermaus (24 Kommentare) am 21.06.2012 11:08

So ist das auf dem Dorf....

... leider bei uns auch nicht anders. Schön über andere herziehen, das können die Leute, statt erst einmal vor der eigenen Türe zu kehren. Traurig aber wahr !!!

Lasst euch nicht unterkriegen.
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