publiziert: 21.06.2012 17:48 Uhr
aktualisiert: 23.06.2012 12:04 Uhr
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Miet-Studie ignoriert den Army-Abzug

Pestel-Institut behauptet für 2017 rund 330 fehlende Mietwohnungen – trotz stark schrumpfender Bevölkerung
  • Mietwohnungen in Schweinfurt: Angeblich werden diese knapp. 2017 sollen in der Stadt 330 Mietwohnungen fehlen, behauptet eine Studie des „Pestel-Instituts“ – obwohl nach der US-Standortschließung in zweieinhalb Jahren Tausende Amerikaner weg sind, und die Bevölkerungszahl laut Sozialbericht der Stadt mittelfristig um sieben Prozent jährlich schrumpft.
    Foto: Helferich
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Die Überschrift klingt bedrohlich: „Wohnungsbau-Studie belegt ,Neubau-Defizit' – In Schweinfurt werden die Wohnungen knapp: 2017 fehlen 330 Mietwohnungen“. Das behauptet in einer Studie das „Pestel-Institut“ in Hannover. In Wahrheit wird mittelfristig in Schweinfurt und Umland eher das Gegenteil gefürchtet: Wohnraum-Leerstand, nachdem die Amerikaner Ende 2014 abgezogen sind.

„Wenn der Wohnungsbau in Schweinfurt nicht deutlich zulegt, klafft eine enorme Lücke. Dann werden bezahlbare Wohnungen zur Mangelware“, ist in der Pressemitteilung der Institutsleiter Matthias Günther zitiert. Er sieht beim Mietwohnungsbau in Schweinfurt einen „enormen Bedarf“.

Die größte „Bausünde“ sei gewesen, „dass zu wenig neu gebaut wurde“. In den letzten zehn Jahren seien es in Schweinfurt gemessen am Wohnungsbestand nur 0,19 Prozent gewesen. Grund: Mietwohnungsneubau werde zu wenig gefördert. Schuld sei auch der Bund, weil er sich aus der Wohnungsbauförderung zurückgezogen habe. Ohne bessere Abschreibung und neue Sozialwohnungen werde „das Wohnen für immer mehr Menschen unbezahlbar – insbesondere für Rentner, Familien und Beschäftigte mit geringem Einkommen“.

In Schweinfurt sollen 2017 rund 330 Mietwohnungen fehlen. Kann das sein? „Wir sehen den Markt als ausgeglichen an, einen Engpass können wir nicht erkennen“, sagt auf Anfrage Stephan Gutsch, Bereichsleiter Miet- und Objektverwaltung der Stadt- und Wohnbau GmbH (SWG), die im Stadtgebiet über 5000 Wohnungen vermietet und verwaltet. Vor dem Hintergrund des Abzugs der US-Amerikaner bis Ende 2014 und der damit frei werdenden Koversionsflächen sieht er „keinen Anlass, dass sich das ändert“.

In der Tat: Schon drei Jahre vor dem Schreckensszenario, welches das Pestel-Institut zeichnet, werden infolge des Abzugs der US-Amerikaner Ende 2014 im US-Wohngebiet „Askren Manors“ knapp 700 Wohnungen frei, sowie 34 Doppelhäuser in „Yorktown Village“ – mehr als das Doppelte, das die Studie als Fehlbestand für 2017 prophezeit. Der frei werdende Wohnungsmarkt auf dem freien Wohnungsbestand in Stadt und Landkreis ist da noch gar nicht eingerechnet: 1100 bis 1200 sind derzeit noch von Amerikanern bewohnt. Hans Schnabel, zuständig für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, hält die Pestel-Prognose für völligen Unsinn.

Hinzu kommt, dass die Stadt nicht mit Bevölkerungswachstum rechnen kann. Der erste Sozialbericht, vor einem Jahr vorgelegt, geht von einer stetig weiter schrumpfenden Zahl der Einwohner aus – um rund sieben Prozent pro Jahr. Das sind gleich zwei Entwicklungen, die völlig konträr zur zentralen Aussage der „Pestel“-Studie stehen.

Was sagt Institutsleiter Günther dazu? Die Studie basiere auf einem Rechenmodell mit allgemein zugänglichem Statistikmaterial, das auf alle 413 deutschen Gebietskörperschaften (kreisfreie Städte und Landkreise) – von Kiel bis Konstanz – angewendet worden ist. Dabei spielt die Bautätigkeit der letzten Jahre eine Rolle, oder das Verhältnis Arbeitsplätze zu Wohnraum, aber regionale Besonderheiten – und seien sie noch so wesentlich – offenbar nicht. So etwas wie eine Militärkonversion könne man nicht miteinbeziehen, sagt Günther. Er weiß auch nicht, dass die Neubautätigkeit der Stadt vor allem deshalb so gering ist, weil sie bei der Gebietsreform keine Gemeinden dazu bekam und in ihren engen Grenzen nahezu vollgebaut ist.

So kommt es, dass die „Pestel“-Studie ziemlich genau das Gegenteil dessen behauptet, das Schweinfurt droht: mittelfristig ein Überangebot an Mietwohnraum, kein Mangel. Regionale Realitäten sind in das Rechenmodel nicht eingeflossen. „Schweinfurt ist der erste Fall, der mir ein bisschen um die Ohren fliegt“, räumt der Institutsleiter ein.

Die Studie des Pestel-Instituts ist erkennbar interessengeleitet. In Auftrag gegeben wurde sie vom Deutschen Mieterbund (DMB), der IG Bauen-Agar-Umwelt (IG BAU), dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM).

Von unserem Redaktionsmitglied Stefan Sauer
    
    

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»Alle 8 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

-kfk- (189 Kommentare) am 22.06.2012 12:21

Bauchgefühl statt Recherche

Bevor man solche Artikel schreibt und so eine Studie zerreißt, sollte man mal nachfragen, unter welchen Annahmen diese erstellt wurde. Hätte die Redaktion besser recherchiert, wäre klar gewesen, dass ein Abzug der Amerikaner und auch viele anderen lokalen Besonderheiten NICHT in die Studie eingeflossen sind.

Der Fehler liegt hier nicht beim Pestel-Institut, sondern bei der der Redaktion, welche wie selbstverständlich die Berücksichtigung solcher Faktoren unterstellt.

Stattdessen glaubt die Redaktion genau zu wissen, dass in Schweinfurt mittelfristig ein Überangebot an Mietwohnraum droht. Diese Erkenntnis stützt sich wahrscheinlich nur auf das Bauchgefühl der Redaktion und nicht - wie bei der Pestel-Studie - auf eine wissenschaftlichen Untersuchung.
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all (173 Kommentare) am 22.06.2012 09:57

Entsprechen die Mietwohnungen noch aktuellen Anforderungen ?

Der Bedarf an individuellen Wohnungen für Singlehaushalte sowie barrierefreien Wohnungen ist mit Sicherheit in Schweinfurt ungebrochen hoch.

Das Wohnen in Miet-&Wohnkasernen wie sie nach dem Krieg mit den vielen Flüchtlingen und Wiederaufbauphase entstanden entspricht zum großen Teil nicht mehr den heutigen Bedürfnissen was Sanitär, Raumzuschnitt, Wohnumfeld, Barrierefreiheit betrifft und wer sich dort in diesen älteren Wohnkasernen umsieht erkennt den Leerstand insbesondere in den Erdgeschoßwohnungen.

Auch die Mietskasernen in den Kasernen werden so natürlich nicht zu vermieten sein, fern von jeglicher öffentlicher Infrastruktur mit Ghettocharakter - es wäre deshalb sinnvoll wenn die Stadt&Landkreis ihr Vorkaufsrecht und kommunale Planungshoheit zur Entwicklungssteuerung voll ausschöpft und die schöpferische und kompetente Bürgerschaft schon in dieser Vorplanungsphase und Bestandsaufnahme einbezieht. > Bürgerwerkstätten , "liquid democraty", offene Internetplattformen, Ideenpools
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scaredboat (100 Kommentare) am 22.06.2012 16:40

Entsprächen die Mieter den Anforderungen?

Auf der mir bekannten Mitgliederversammlung des Bauvereins SW hat der Geschäftsführer Hr.Krug die Zusmmenlegung 1Zimmerwohnung zu 3 Zimmerwohnungen damit gelobt ,das man nun ein Klientel los sei. Dieser Geschäftsführer hat auch den Einbau von Aufzügen bestätigt,die in den Häusern des Bauvereins SW im Zwischenstock halten (also für Rollis und Alte untragbar),Herr Krug hat dies damit begründet das Bauverein SW eben keine alten-und behindertengerechte
Wohnungen bereitstellen muss.Soviel zum Gedanken des sozialen Wohnungsbaus nach Jahren der staatlichen Zuschüsse und Dividendenausschlüsse!
Eine Neugründung einer Genossenschaft zum Erwerb der Amiwohnungen zu Wohnzwecken ist bestimmt sinnvoller als auf ein Eingreifen der Stadt Schweinfurt oder Freistaat Bayern zu warten.Es gibt vergleichbare Projekte in München!
Und so nebenbei bemerkt ist das Mietniveau der US Soldaten derzeit über dem was Deutsche Mieter zahlen möchte,da diese Wohnungen keine Infrastruktur haben
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bauverein (3 Kommentare) am 22.06.2012 22:05

@scaredboat

Falls Sie in einer der Mitgliederversammlungen waren, haben Sie vermutlich etwas nicht richtig verstanden. Ihre Darstellung entspricht nicht den Tatsachen:

1.
Die 1-Zi.-Wohnungen, welche der Bauverein zu Wohnungen für Familien zusammengelegt hat, wurden vorher aufgrund unzureichender Größe, Grundriss u. Ausstattung nicht mehr nachgefragt.

2.
Die erwähnten Aufzugseinbauten erfolgten in den 70er Jahren. Ich bin seit 1988 beim Bauverein tätig und trage dafür keine Verantwortung.

3.
Der Bauverein engagiert sich stark für Senioren und behinderte Menschen: Ohne Fördermittel wurde 2008 ein Haus mit 21 barrierefreien Wohnungen neu errichtet. In fast allen Wohnanlagen gibt es barrierefrei zugängliche Wohnungen. Bei Modernisierungen werden vorhandene Barrieren beseitigt oder reduziert. In der Gartenstadt hat der Bauverein Grundstücke für ein Seniorenwohnheim und ein Wohnheim für behinderte Menschen bereitgestellt.

Klaus Krug
Vorstandsmitglied Bauverein Schweinfurt
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all (173 Kommentare) am 22.06.2012 18:17

Mietvereine und SWG verliert ihre treuen MieterInnen !

Danke für ihren klaren und aussagekräftigen Beitrag - was die realitätsferne Einstellung der gemeinnützigen Leitung des Bauvereins betrifft...

Wenn diese genossenschaftlich und gemeinnützig steuerbegünstigten Bauvereine ihren Wohnbestand nicht an die aktuellen Bedürfnisse ihrer älter werdenden Mieter mit Rollator, Gehstock, Rollstuhl oder Familien mit Kleinkindern oder Zunahme von Singles anpassen - werden sie diese nicht mehr vermieten können, da völlig am Bedarf vorbei saniert oder als Miet-Zins-Renditeschweinchen ausgepreßt.

Die Studie des Pestel-Instituts ist demnach korrekt da sowohl barrierefreie & rollstuhlgerechte Wohnungen sowie bezahlbare individuelle Singelwohnungen mit heutigen modernen Wohnstandards (Wärmedämmung, Heizung, Sanitär, Belichtung, Wohnumfeld, Raumzuschnitt, Aufzug, Rampe ) absolute Mangelware sind ! Erinnern wir uns doch nur an die verzweifelte Suche eines berufsunfähigen Rollstuhlfahres mit HartzIV im Tagblatt vor ein paar Wochen nach einer solchen Wohnung
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