publiziert: 07.03.2011 18:20 Uhr
aktualisiert: 07.03.2011 20:21 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text WÜRZBURG/HOF/BAYREUTH
Ruf nach dem Bundesland Franken

Vorschläge des Zukunftsrates und Verteilung von Fördergeld verärgern Patrioten

Fröhliche Urständ feiern Forderungen nach einem Bundesland beziehungsweise einer Europaregion Franken. Ein Grund ist die Empfehlung des Zukunftsrats der bayerischen Staatsregierung, künftig nur noch die sechs Ballungsgebiete München, Augsburg, Ingolstadt, Nürnberg/Fürth/Erlangen, Regensburg und Würzburg zu fördern (wir berichteten wiederholt). Die Verfechter fränkischer Interessen kritisieren ferner die Förderpolitik der Staatsregierung als unfair für Franken.

    
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Joachim Kalb aus Bayreuth bezeichnet sich als Kämpfer für Franken. Der 63-Jährige ist Sprecher des Fränkischer Bundes (FB), den Verein gibt es seit 1990. In einem Interview mit der „Frankenpost Hof“ geißelte Kalb jüngst „Tiefschläge“ aus München. Arrogant und anmaßend sei es, wenn der von der Staatsregierung berufene Zukunftsrat aus Wissenschaftlern, Hochschullehrern, Gewerkschaften und Kirchenvertretern vorschlage, dass Metropolen künftig auf Kosten ländlicher Regionen gestärkt werden sollen. Damit werde großen Teilen Ober- und Unterfrankens das Anrecht auf eine positive Entwicklung abgesprochen.

Mehr Millionen nach Oberbayern

Auch das „Sonderprogramm Aufbruch Bayern“ der Staatsregierung bevorzugt einmal mehr Oberbayern, ärgert sich Kalb und stellt die Summen gegenüber: Oberbayern soll 382 Millionen Euro erhalten, Unterfranken 112 Millionen und Oberfranken nur 82 Millionen. Das widerspreche den Vorgaben der Verfassung, überall im Freistaat annähernd gleiche Lebensbedingungen zu schaffen.

Wegen der „unerfreulichen“ Entwicklung lässt der FB die Forderung nach einem Bundesland Franken aufleben, die man „in der Hoffnung auf Besserung in München 15 Jahre hat ruhen lassen“, so Kalb. Das Grundgesetz stehe einer Neugliederung des Bundesgebietes nicht entgegen.

Ein landsmannschaftlich ideal konstruiertes Bundesland Franken umfasst nach FB-Vorstellungen auch Teile Baden-Württembergs und Thüringens, ferner ein Zipfelchen der Oberpfalz (siehe Grafik). Man orientiert sich an Plänen des Unternehmers A. H. Heineken zur Neugliederung Europas aus dem Jahr 1992. Eine solche EU-Region würde unter den 75 wirtschaftlichen Regionen in Europa Platz 28 einnehmen, wäre so groß wie Belgien und hätte 5,4 Millionen Einwohner.

Seit 2009 gibt es auch die „Partei für Franken – Die Franken“. Auch sie streitet für die fränkischen Farben Rot und Weiß. Auch sie beklagt die „Franken-Feindlichkeit“ in München und aus aktuellem Anlass das Fehlen außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, was dazu geführt habe, dass es in Würzburg keine Elite-Universität gebe.

Joachim Gehrig ist Sprecher des Bezirksverbandes Unterfranken. Er betont, die Partei strebe kein eigenes Bundesland an, schränkt allerdings ein, das könne sich ändern, „wenn sich der Freistaat Bayern weiter berechtigten fränkischen Interessen verweigert“.

Was die Grenzen einer EU-Region Franken betrifft, will die Partei für Franken „realistisch bleiben“. Die Karte vom landsmannschaftlich idealen Bundesland Franken zeigt nach Gehrigs Worten vor allem, wie groß Ost-Franken im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit einmal war. Damit heute Politik machen zu wollen, das wirke „sicherlich sehr gewagt“.

So engagiert sie zu Werke gehen, so weitreichend ihre Gedanken und Ziele sind – die Bataillone der Franken-Kämpfer sind überschaubar geblieben. Der Fränkische Bund hat rund 600 Mitglieder, die Partei für Franken 220.

Von unserem Redaktionsmitglied Tilman Toepfer
    
    

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»Alle 7 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

frima (411 Kommentare) am 09.03.2011 13:56

Ruf nach dem Bundesland Franken

Gute Idee. Bin sicher, die meisten Franken wären dafür. Dann wäre endlich mal das 200jährige Unrecht zu Ende. Und im Gegenzug die Kleinst-Länder Bremen, Hamburg und Berlin auflösen. Aber die Preussen will ja wieder keiner.....
Mit fränkischen Grüssen.
(0)
hazi (147 Kommentare) am 08.03.2011 16:13

Bundesland Franken...

... und Kitzingen Hauptstadt! War die Große Kreisstadt schon einmal, zumindest was den deutschen Weinhandel im letzten Jahrtausend betraf...Helau grinsen
(0)
hel-d (142 Kommentare) am 08.03.2011 10:54

Teil II

Mit meiner obigen Auflistung wollte ich auch deutlich machen, dass man von einem solchen Zukunftsrat nichts anderes erwarten kann. Die Unternehmen in den Ballungsräumen und die Region München sollen zulasten der sogenannten Randgebiete weiter aufbebläht werden. Das sollten wir uns nicht gefallen lassen!

Also Protest, der von den Gewerkschaften bereits vorgebracht wurde.
(1)
Herzogsschwert (30 Kommentare) am 08.03.2011 10:36

Bundesland Franken? Warum eigentlich nicht?

Wenn sich die Schere zwischen Oberbayern und Franken weiter öffnet, die bay. Staatsregierung außer Lippenbekenntnissen nichts dagegen macht, bin ich auch dafür neue Wege zu gehen. Artikel 29 des Grundgesetzes sieht die Möglichkeit zur Neugliederung des Bundesgebiets vor.
(3)
hel-d (142 Kommentare) am 08.03.2011 09:39

Der Zukunftsrat Bayern

besteht aus 22 Mitgliedern:
Prof. Dr. Herbert Henzler, Credit Suisse, Londen (Vorsitzender)
Margit Berndl, Vorstandmitglied Paritätischer Wohlfahrtsverband München
Prof. Dr. Michael von Brück, Lehrstuhl für Religionswissenschaft, LMU München
Prof. Dr. Hubert Burda, Hubert Burda Media Holding, München
Prof. Dr. Patrick Cramer, Leiter Genzentrum der LMU München
Wolfgnang Dehen, CEO Siemens Energy, Erlangen
Prof. Dr. Susanne Elsen, Sozialwissenschaften, Hochschule München
Alois Glück, Präsident Zentralkomitees der Katholiken in Deutschland
Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske, Präsident FAU Erlangen-Nürnberg
Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TU München
Prof. Dr. Bernd Huber, Präsident der LMU München
Dr. Ing. E.H. Hans Huber, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Huber SE, Berching
Prof. De. Daniela Männel, Ummunologie, Uni Regensburg
Prof. Dr. Paul Nolte, Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin
Dr. Norbert Reithofen, CEO BMW AG, München
Prof. Dr. Jutta Roosen, BWL Marketing und Konsumforschung, TU München
Fritz Schösser,DGB-Bayern-Vorsitzender a.D., München
Dr. Josef Schuster, Präsident Israelitische Kuldusgemeinden in Bayern, Würzburg
Prof. Dr. Gunter SChweiger, Präsident Hochschule Ingolstadt
Ludwig Sothmann, Präsident Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. Hilpoltstein
Stephanie Spinner-König, Geschäftsführende Gesellschafterin der Spinner GmbH Mch.
Dr. Rudolf Staudigl, CEO Wacker Chemie AG München.

Herr Toepfer, Sie sollten in Ihrer Aufzählung schon darauf hinweisen, dass hier lediglich ein Vertreter der Gewerkschaften und auch nur drei Vertreter von Kirchen dabei sind die dann aber schon sieben Vertretern aus der Wirtschaft und zehn Professoren (die mehrheitlich aus München sind) gegenüberstehen.

Dieser Zukunftsrat ist weder von der personellenBesetzung noch von der Reginalstruktur ausgewogen besetzt. Deshalb tragen sicher auch nicht alle Mitglieder die Empfehlungen mit. Das sollten Sie wie auch Her Kalb berücksichtigen und darüber auch informieren.
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