aktualisiert: 22.06.2012 18:24 Uhr
Text
Text
MÜNCHEN/WÜRZBURG
Hohe Durchfallerquote beim schriftlichen Abitur
Harsche Kritik der bayerischen Opposition am G8 – Mündliche Nachprüfungen als Rettungsanker
Mehr als zehn Prozent der rund 38 000 bayerischen Schüler, die in diesem Jahr zum Abi antraten, sind durch die schriftlichen Abiturprüfungen gefallen. Dies bestätigte der Sprecher des Kultusministeriums, Ludwig Unger, auf Anfrage.
„Die Zahl derer, die durchs schriftliche Abi gefallen sind, ist natürlich nicht identisch mit der Zahl derer, die am Ende nicht bestehen“, sagte Unger. Die Schüler hätten die Möglichkeit, durch die Teilnahme an mündlichen Prüfungen ihr Abi noch zu „retten“; viele würden dies auch schaffen. Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge lag die Durchfallerquote im schriftlichen Abitur bei einem Augsburger Gymnasium bei rund 25 Prozent.
Auf ein Nürnberger Gymnasium, das beim schriftlichen Abitur eine Durchfallerquote von 17 Prozent hat, verweist der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband. Auch am Schweinfurter Olympia-Morata-Gymnasium fielen bei der schriftlichen Abiprüfung laut Oberstufenkoordinatorin Annette Hanke von 64 Abiturienten neun durch – dies entspricht einer Durchfallerquote von 14 Prozent.
Ein einheitlicher Trend zu einer hohen Durchfallquote beim schriftlichen Abi zeichnet sich unterfrankenweit jedoch nicht ab: Im Armin-Knab-Gymnasium in Kitzingen etwa mussten nach Darstellung von Schulleiterin Margit Hofmann nur drei Prozent ihrer 94 Abiturienten zur mündlichen Nachprüfung antreten; im Würzburger Siebold-Gymnasium waren es laut der stellvertretenden Schulleiterin Irmgard Nickel-Göb rund sieben Prozent der Schüler.
Hartmut Braun, der stellvertretende Schulleiter des Würzburger Deutschhaus-Gymnasiums, nannte eine Quote von nicht einmal zwei Prozent bei den Durchfallern im schriftlichen Abitur. Etliche unterfränkische Schulleiter weigerten sich allerdings auch, über ihre Durchfallerquote im schriftlichen Abi Auskunft zu geben, so dass derzeit für Unterfranken kein repräsentatives Bild gezeichnet werden kann.
Die Opposition nahm die bayernweite Durchfallerquote von rund zehn Prozent bei der schriftlichen Abiprüfung zum Anlass für harsche Kritik am G8. „Beim ersten G8-Jahrgang hat der Kultusminister aus politischen Gründen die Ergebnisse noch geschönt; der zweite Jahrgang aber muss die grundsätzlichen Konstruktionsfehler ausbaden“, erklärte der schulpolitische Sprecher der Grünen, Thomas Gehring.
Die „Neuaufstellung des achtjährigen Gymnasiums“ forderte indessen der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, Martin Güll. „Das ist nun der zweite Abiturjahrgang des G8, dessen schriftliche Leistungen zu so hohen Quoten an Nachprüfungen führen“, so Güll.
„Der Grund dafür, dass beim schriftlichen Abi mehr Schüler als früher durchfallen, liegt wohl darin, dass früher die Schüler in den Leistungskursen, also ihren Neigungsfächern, Abi machen konnten und heute alle gezwungen sind, in Deutsch, Mathe und einer Fremdsprache die Prüfung zu machen, auch wenn ihnen diese Fächer nicht liegen“, mutmaßte die Schweinfurter Oberstufenkoordinatorin Annette Hanke.
„Letztes Jahr hatten wir auch über zehn Prozent Abiturienten, die ins Mündliche gingen. Die endgültige Durchfallerquote lag aber bei knapp drei Prozent“, so Ministeriumssprecher Unger. Mit einer ähnlichen Quote rechne man auch dieses Jahr. Beim G9 lag allerdings über viele Jahre hinweg die Quote derer, die im Abi scheiterte, bei einem Prozent.
Diesen Artikel
»Alle 17 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare
|
der_romi (1 Kommentare) am 27.06.2012 17:44
Grundlegendes ProblemHier offenbart sich das grundlegende Problem der Bildungspolitik. JEDER war mal auf der Schule, also ist JEDER so ungemein kompetent. JEDER kann mitreden, JEDER kann beurteilen, welches Kind geeignet ist, vor allem diejenigen, die in dieser Frage besonders "objektiv" sind.Die Fachleute werden in immer geringerem Maß gefragt, alles wird bürokratisiert und entmenschlicht, da vorwiegend marktwirtschaftlichen Kriterien unterworfen. Nur das Wissen über Sachverhalte macht immun gegenüber Manipulation und Fehlinformation. KOMPETENZEN helfen keinem alleine. Bildung braucht Zeit und altersgemäße Themen. Fachwissenschaft auf Sendung-mit-der-Maus Niveau war die Folge des entschlackten Lehrplans. Außerdem wissen die Schüler ausgiebig aus der Presse und von ihren aufgeregten Eltern, dass sie schrecklich überfordert sind. Sind die nicht. Sondern einfach in großer Zahl an der falschen Schule, die auch noch als Sparmodell herhalten muss. |
(0)
|
|
kojut (9 Kommentare) am 25.06.2012 12:48
Problem erkennen!Nicht G8 oder der Lehrplan sind das Problem.Solange 90% der Eltern nach der 4. Klasse ihr Kind aufs Gymnasium schicken -egal ob mit oder ohne Eignung durch die Grundschule- und die Gymnasium viele Kinder die keine Eignung haben über den Probeunterricht aufnehmen wird sich da nicht viel ändern. Es sind zuviel ungeeignete Kinder am Gymnasium. Kinder die für das Gymnasium geeignet sind machen ihr Abitur im G8 genauso wie im G9!!! |
(2)
|
![]() |
asazyma (391 Kommentare) am 25.06.2012 16:37
Zustimmung!Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen. Kinder MÜSSEN ja aufs Gymnasium. |
(1)
|
|
James007 (236 Kommentare) am 23.06.2012 20:06
Wo ist das Problem?Es gibt nunmal stärkere und schwächere Klassen und auch stärkere und schwächere Jahrgänge. |
(1)
|
|
glaubt-nicht-alles (671 Kommentare) am 23.06.2012 16:52
Zwei nicht ganz ernst gemeinte Anmerkungen1. Das Wortungetüm bzw. den Super-Nonsens "Durchfallerquote" kann man vmtl. nur mit "G13", also mit einigen Ehrenrunden kreieren.2. Was hilft eine 100 %-Bestanden-Quote, wenn's dann auf die Uni nit langt und die "gereiften Prüflinge" vermeintlich überqualifiziert in Ausbildungsberufe drängen. 3. Wir hatten mal eine 6-Tage-Schulwoche. Die wurde aber nicht wegen der Überbelastung der Schüler abgeschafft, sondern weil die Eltern (und - sorry - vielleicht auch die Pädagogen samstags ausschlafen wollten; klingt hart, aber wahr, oder? |
(2)
|
Umfrage
Gelesen
Kommentiert
|
|
SCHWEINFURT Verwandtenaffäre: Eck wehrt sich |
|
|
HOF/MÖDLAREUTH Ehrung für Altkanzler Kohl |

Wetter











